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Selbst - Heilung

Gestern haben wir uns ein Theaterstück des Akademietheaters Ulm im Rahmen von "Stürmt die Burg"  angesehen. Das war schwere Kost! Overload / Überlastung. Die Zuschauergruppe wurde in einen fast dunklen Gewölbegang geführt. Zusehen war die Silhouette eines Mannes.  Die Szenen spielten in den Gängen, Nischen und Räumen der Wilhelmsburg. Teilweise sind es restaurierte Bereiche gewesen, teilweise völlig zerfallene, ohne Boden, mit Zeichen der Zeit an den Wänden. Die Nischen und Räume stellten Zellen dar. Der Mann führte uns, die Zuschauergruppe, durch das Stück, von Zelle zu Zelle. Zu Beginn bekamen wir Zettel mit der Auflistung der einzelnen Zellen und Stifte. Wir, die Zuschauer, durften/mussten am Ende entscheiden, wer abgeschoben werden soll.

 

Erste Szene: Zwei Politiker die sich streiten. Die sich versuchen gegenseitig klein zu machen. Deren Egos sich aufspielen, als ginge es hier nur um sie - nicht um Menschen über die entschieden wird. Laut, aggressiv, überheblich!

Zweite Szene: Das Leben eines Mädchens bis hin zu jungen Frau im Zeitraffer auf Schutt und Asche. Sie verliert ihre Eltern im Kugelhagel, wird vergewaltigt, empfängt daraus ein Kind, lebt mit ihrem Kind auf der Strasse und überlebt durch Allmosen und ihren Roboter-Modus, den sie einschaltet, wenn ihr Schicksal nicht mehr zu ertragen ist. Sie trug einen Judenstern, ein muslimisches Kopftuch, einen indischen Bindi, den roten Punkt auf der Stirn, eine Kette mit dem Kreuz als Symbol für das Christentum und einem wheel of Dharma, dem Zeichen für Buddhismus. Am Ende der Szene entfernte sie alle Kennzeichnungen und es blieb.....ein Mensch!

 

Dritte Szene: Ein Künstler, ein Maler, stellvertretend für die Besonderheiten des Menschen. Er malt, lebt seine Passion, bis der Gefängniswärter sein Bild mit dicken Farbklecksen verschandelt. 

Vierte Szene: Ein 13 jähriger Junge, der in seiner Heimat, einem Kriegsgebiet, alles verloren hat. Familie, Freunde, Halt, Wärme bis hin zu seiner eigenen Identität. Er beschreibt seine Sehnsucht, seinen Schmerz mit Worten und unterstreicht diese durch seine Emotionen wie Wut, Verzweiflung und Hass.....ganz sanft kann er noch ein bisschen Selbst-Vertrauen spüren: "Ich schaffe das!"

Fünfte Szene: In einer restaurierten Zelle ist ein Deutscher inhaftiert. Er liegt auf seiner Ottomane, besticht die Wärter mit Geld, ist korrupt und herrschsüchtig. Er lebt in Afrika, ist Unternehmer und beutet Sklaven aus. Seine Parolen: So haben die Kinder wenigstens was zu tun! Nigger wollen für uns arbeiten! Nur keine Gefühle!

Sein Freund hat sich in eine schwarze Frau verliebt....der ist nun verloren! Nur keine Gefühle!

Beim Verlassen der Zelle laufen wir durch den Gewölbegang. Hinter einer Tür schreit eine Frau um Hilfe. "Hilfe, lasst mich hier raus!" Alle Zuschauer gehen vorbei - bis auf Einen, er öffnet die Türe und befreit die junge Frau.

Die Wilhelmsburg wurde in Zeiten der Wohnungsnot nach dem zweiten Weltkrieg, von Familien bewohnt. Aus dieser Zeit gibt es Waschsäle! Gekachelt und mit Waschrinnen in der Mitte! 

Sechste Szene: Hier kämpften zwei Menschen um ihr Überleben. Ihr nacktes Überleben. Verfangen in Netzen, hilflos schreiend und verzweifelt.

Siebte Szene: eine wunderschöne Stimme ist zu hören. Unser Wärter zeigt seine weiche Seite. Er setzt sich zögerlich ans Klavier, beginnt zaghaft zu spielen. Die junge Frau mit Blessuren über den ganzen Körper verteilt, beginnt zu singen. Ein wunderbarer Kontrast zu all der Härte und Grausamkeit in den vorherigen Szenen. Freiheit, Liebe, Hoffnung und schaukelnde Leichtigkeit breitet sich vor einer Wand aus Spiegeln aus.

Achte Szene: Wir, die Zuschauer, geben unsere Abstimmungszettel bei der Richterin ab. Sie fragt: Ist euch die Entscheidung leicht oder schwer gefallen. Seid euch bewusst, ihr habt die Wahl. Seid euch eurer Eigenverantwortlichkeit bewusst. 

Neunte Szene: Der Junge aus der vierten Szene wurde ausgewiesen. Wir haben es so gewollt, wir haben so gewählt!!! Der Junge hat seinen letzten Rest an Selbst - Vertrauen verloren. Tänzerisch werden seine Traumata dargestellt. Er will nicht zurück, jetzt will er nur noch sterben.

Zehnte Szene: Der Wärter und die Richterin führen uns auf den Turm der Burg. Luft, Freiheit, Weitsicht. Da stehen wir und blicken auf eine Stadt, die all diese Schicksale erlebt hat und noch erlebt. 

 

Ich gehe in mich und frage mich, was nehme ich aus dem ganzen Stück mit. Aus diesem Bewusstmachen, diesem Aufruf zur Eigenverantwortlichkeit.

 

Heute morgen scrolle ich durch Facebook und auf einmal ist sie da, die Analogie zu gestern. Jeder Beitrag ist eine Szene, eine Szene aus dem realen Leben. 

 

Szene eins: ein veganer Tierschützer kämpft gegen das Leid der Tiere.

Szene zwei: Brennpunkt Berlin. Alle die Angst haben gehen auf die Straße. Die Hippies haben Angst vor dem Verlust der Freiheit, die Nazis haben Angst vor dem Verlust ihrer Herkunft. Die Aluhelme haben Angst vor dem Verlust ihrer Rechte und ihrer Persönlichkeit, die Maskengegener haben Angst vor dem Maulkorb, die Maskenbefürworter haben Angst um ihre Gesundheit.

Szene drei: eine Frau fühlt sich von ihrem Mann nicht gesehen und postet sehnsüchtige Zitate.

Szene vier: Herr Spahn wird ohne Maske gesehen. OMG - die Finger zeigen auf ihn! Die Angst vor Ungerechtigkeit.

Szene fünf: Zitat "Ich reiße meine Mauern für keinen mehr so leichtfertig ein. Du willst mich kennenlernen? Dann fang an zu klettern."

.....und viele Szenen mehr!

 

Angenommen, alle diese Szenen sind Spiegel unserer Seele.

Angenommen, mit jeder Szene mit der wir in Resonanz gehen, entdecken wir ein Leid unserer eigenen Seele. Z.B. mein Mann erkennt meinen Wert und meine Bedürfnisse nicht. Könnte heißen: ich erkenne meinen Wert und meine Bedürfnisse nicht. Ich weiss zwar in meinem Kopf was ich kann und was ich brauche, ich spüre es jedoch nicht in meinem Herzen.

Angenommen, jeder bringt sein eigenes Leid zur Heilung - wie wirkt sich das auf das Leid in allen dargestellten Szenen aus?

 

In diesem Sinne! Jeder darf eigenverantwortlich mit seiner Selbst - Heilung beginnen!

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